24. April 2010
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Früh am Morgen geht es los – 13 Lüneburger Jusos machen sich bei bedecktem Himmel und ungemütlichen Temperaturen auf nach Geesthacht mit dem Ziel, die Lüneburger Teilnehmer an der zugewiesenen Strecke für die Menschenkette von Krümmel nach Brunsbüttel zu koordinieren. Viele Wochen Vorbereitung hat dieser Tag dem Lüneburger Bündnis gegen Atom, dem auch die Jusos Lüneburg angehören, gekostet – Tage und Nächte lang wurde telefoniert, getippt, besichtigt und Aktionen gestartet. Und nun sitzen wir i
Pünktlich mit Ankunft in dem kleinen Städtchen, in dem seit Jahrzehnten Menschen mit Angst direkt neben Krümmel leben, zeigt sich die Sonne. Schnell den SPD-Pavillon aufgebaut, die „Einsatzzentrale“ eingerichtet und das Megaphon startklar gemacht.
Schon bald treffen die ersten PKW ein, Menschen aus ganz Deutschland sind dabei und freuen sich, dass sie rechtzeitig angekommen sind und an der Menschenkette teilnehmen können. Ehe wir uns versehen kommen die Busse – einer nach dem anderen - ganze 15 mit jeweils 50 bis 70 Plätzen aus dem Lüneburger Raum wurden ausverkauft. Mit einem Mal wird es voll, Tausende von Menschen stürmen den Bürgersteig, lachen, reden, treten motiviert gemeinsam die Fußweg entlang der geplanten Strecke an, es kommt der Gedanke: eher ein Volksfest als eine Demonstration. Familien besetzen die Straßen, Kinder verwandeln die Straßen in eine bunte Bilderreihe. Und dann treffen auch die 400 Fahrradfahrer Polizeibegleitung ein. Jetzt muss man wirklich lachend fragen: „Wer hatte eigentlich Zweifel, dass diese Kette nicht zu realisieren war?“
1 Stunde laufen wir die Straßen auf und ab, schaffen es, die letzten Lücken zu schließen und dann ist es 14.30 Uhr. Es wird still, die Sonne brennt, Hubschrauber sind zu sehen. Fremde Menschen, Kinder und Senioren, SPD-Anhänger, Grüne, Linke, Angehörige vieler verschiedener Religionen, stehen beieinander und halten sich an den Händen. Egal in welche Richtung man guckt: Kilometerweit hunderte, tausende Menschen, die gemeinsam aus Überzeugung eines der größten Zeichen gegen Atomkraft setzen wollen. 5000 Menschen haben es schließlich aus Lüneburg geschafft und stehen den Geesthachtern beiseite.
„Atomkraft tötet“ steht auf einigen der mitgebrachten Transparente. Hier in Geesthacht ist das traurige Realität. Hier sind viele Kinder sind aus bis heute ungeklärter Ursache an Leukämie erkrankt. Nach wie vor wird der Zusammenhang der hohen Erkrankungsrate mit dem am Geesthachter Elbufer gelegenen Kernkraftwerk Krümmel vom Betreiber abgestritten. Hier lebt man das Risiko, jeden Tag – eine ziemliche Belastung wie man im persönlichen Gespräch mit den Bürgern erfährt. 313 meldepflichtige Störfälle hat es seit Inbetriebnahme gegeben – mehr als einer jeden Monat! Aber natürlich kein Grund für die schwarz/gelbe Regierung, die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger ernst zu nehmen und ein gefährliches Atomkraftwerk vom Netz zu nehmen. Offensichtlich besteht kein Interesse darin, Schaden von der Bevölkerung abzuwenden. 1 Million Euro Gewinn – das ist es, was Krümmel pro Tag Laufzeit einfährt. Diesem Argument können kranke Kinder nun mal nichts entgegensetzen.
Stattdessen wird wieder über Laufzeitverlängerung geredet. 20 Jahre – 40 Jahre – 60 Jahre. Die Zahlen sprudeln nur so. Ohne vernünftige Grundlage, ohne Lösung für ein Atommüllendlager. Stattdessen regenerative Energien verhindern und weiter auf löchrige Salzstöcke im Wendland setzen.
Soviel Sturheit und Ignoranz setzen heute nun 120.000 Menschen auf 120.000 Metern ein deutliches Zeichen entgegen. Als diese Zahlen bekannt werden, fangen die Menschen an zu jubeln. Seit Jahrzehnten machten sich nicht mehr so viele Menschen gleichzeitig auf den Weg, um gemeinsam einer Sache Ausdruck zu verleihen. Krümmel – Brunsbüttel ist eine Menschenkette. „Das ist Woodstock“ ruft jemand. Und es ist ein tolles Gefühl, einer von so vielen zu sein. Einzigartig!
Gegen 15.00 Uhr löst sich die Kette langsam wieder auf. Die Tausende Menschen strömen wieder zum Treffpunkt, die Straßen werden freigegeben und das Verkehrschaos ist vorprogrammiert. Wir Jusos regeln den Verkehr, grüßen die vorbeifahrende Polizei recht freundlich und schaffen es, die Busse voll beladen gen Krümmel zur Kundgebung zu schicken.
Dann kehrt endlich wieder Ruhe ein, die Megaphone verstimmen, unsere Autos sind voll beladen. Alle sitzen sich gegenüber und grinsen. Wir haben es gepackt!
Eine neue Art des Anti-Atom-Widerstandes ist in Bewegung gekommen und wir als Jugendorganisation der SPD sind mittendrin. Denn an uns liegt es, die Zukunft der Kinder unserer Generation zu gestalten und die Umwelt zu bewahren. Jusos aus ganz Deutschland haben sich heute in die Menschenkette eingereiht. Das zeigt: Wir sind präsent, wir sind laut!
Bilder der Menschenkette vom Lüneburger Abschnitt gibt es hier:
EnergieUmwelt und Nachhaltigkeit
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